“Alles wirkliche Leben ist Begegnung”
- Martin Buber -
“Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander ...” Mit diesem Wort aus Friedrich Hölderlins Hymne “Friedensfeier” ist ein wesentlicher Ausgangspunkt philosophischer Lebensberatung und philosophischer Seelsorge formuliert. Philosophie als Redepraxis gründet nach unserem Verständnis in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen im Gespräch, das wir nach Friedrich Hölderlin sind und das uns aufgegeben ist - ob im öffentlichen Raum, unter vier Augen oder im “inneren Dialog”. Über Letzteren heist es beim Romantiker Friedrich Schlegel: “Denn so wie das Reden nur als ein äußerlich und sichtbar gewordenes Denken betrachtet werden muss; so ist auch das Denken selbst nur ein innerliches Reden, und immerwährendes Selbstgespräch.” Und weiter teilt Friedrich Schlegel mit: “So tief und fest ist diese innre Zwiefachheit und Duplicität in unserem Bewusstsein eingewurzelt, dass wir selbst dann, wenn wir allein sind, oder allein zu seyn glauben, immer eigentlich noch zu Zweien denken … und unser innerstes tiefstes Seyn als ein wesentlich dramatisches anerkennen müssen“.
Philosophische Lebensberatung und philosophische Seelsorge (in den Dimensionen der Fürsorge und Selbstsorge) nehmen daher ihren wesentlichen Ausgang beim Sein des Menschen als “Gespräch-Sein”. Das Gespräch-Sein ist in dieser Perspektive “konstitutiv” für unser Menschsein und den nicht abschließbaren Prozess der Bildung des Menschen zum Menschen.
Mögliche Ausgangspunkte einer Beratung und Begleitung im privaten Kontext können sein:
Fragen nach Orientierung und die Klärung von persönlichen und beruflichen Zielen
Fragen nach Sinn und Glück
Entscheidungs- und Dilemmasituationen
Krisen oder scheinbar unlösbare Konflikte
Erfahrungen von geistiger und seelischer Erschöpfung
Erfahrungen von Einsamkeit und Anderssein
Fragen zu Liebe, Partnerschaft und Freundschaft
Erfahrungen von tiefgreifender Ungerechtigkeit, Kränkung oder Vertrauensbruch
Erfahrungen von medialer Desinformation und Verletzlichkeit im digitalen Raum
Erfahrungen menschlicher Destruktivität und des Bösen
der (drohende) Verlust von Autonomie und Würde
Erfahrungen von Krankheit und Endlichkeit und die Begegnung mit dem Tod
das Leiden an Welt und Wirklichkeit
Fragen von Spiritualität
Fragen zu einer bewussten Lebensführung und der Einübung in Lebenskunst und Lebenskönnerschaft
wo Coaching, Psychotherapie, konfessionelle Seelsorge oder andere Formen professioneller Unterstützung nicht länger oder nicht allein hilfreich erscheinen und auch künstliche Intelligenz personale Begegnung nicht ersetzen kann.
Honorar und Organisatorisches
Termine und Honorar nach Vereinbarung. Das erste Gespräch ist kostenlos.
Die Gespräche finden in unseren Praxisräumen, An den Drei Pfosten 8, 57072 Siegen oder in den Räumen des “Politiklabors” in der Wörthstrasse 14, 81667 München statt.
Auf Wunsch können die Gespräche auch gerne in der Natur oder an einem anderen Ort ihrer Wahl stattfinden. Selbstverständlich sind nach einem persönlichen Kennenlernen auch virtuelle Gespräche über skype, zoom oder andere Plattformen möglich.
Hinweisen möchten wir an dieser Stelle auch auf unsere Seminare und Privatissima, die wir u. a. in Johannisberg (Rheingau), Tutzing (Starnberger See) und auf der Nordseeinsel Pellworm anbieten. Die näheren Konditionen hierzu teilen wir auf Nachfrage gerne mit.
Philosophische Seelsorge als Anstiftung zur Selbstsorge
Die Tätigkeit des Philosophierens können wir mit dem Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist näher beschreiben als eine “allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden”, mit dem Poeten und Philosophen Friedrich von Hardenberg als einen Prozess des “Dephlegmatisierens” und “Vivificierens”. In diesem Sinne ist das gemeinsame Philosophieren “belebend”, Orientierungsblockaden werden gelöst, eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster werden fraglich, Denken und Leben finden eine neue Richtung. In der Philosophischen Praxis bringen die Gäste ihre Denkweisen, Emotionen, Werte, handlungsleitenden Überzeugungen und Glaubenssätze - ihre “Lebensphilosophie” - zur Sprache und verändern sie, wo sie nicht tragfähig und lebensdienlich erscheint. In diesem Sinne verstand Sokrates seine Hebammenkunst als philosophische Seelsorge und Anstiftung zur Selbstsorge, bei der er durch gezieltes Fragen und die “innere Konsultation” des “Daimonions” (als eine jedem Menschen innewohnende Stimme) seinen Gesprächspartnern half, ihre Gedanken zu gebären und zu einem neuen Verständnis ihrer selbst und der Welt zu kommen.
Der Philosoph Friedrich Nietzsche beschreibt diesen Verdichtungsvorgang später lapidar: „Der Eine sucht einen Geburtshelfer für seine Gedanken, der Andere einen, dem er helfen kann: So entsteht ein gutes Gespräch.”
Häufig gestellte Fragen
Was muss ich mitbringen für ein Gespräch in der Philosophischen Praxis?
Für den Besuch bedarf es keiner spezifischen Vorbildung. Alles Weitere besprechen wir gerne im kostenlosen Erstgespräch.
Ist eine Abrechnung mit der Krankenkasse möglich?
Eine Abrechnung mit der Krankenkasse ist nicht möglich.
Was unterscheidet philosophische Lebensberatung und philosophische Seelsorge von Psychotherapie oder konfessioneller Seelsorge?
Philosophische Lebensberatung und philosophische Seelsorge stellen eine Alternative zur Psychotherapie, zur konfessionellen Seelsorge oder zum Coaching dar. Philosophische Lebensberatung und philosophische Seelsorge nehmen in Anlehnung an Gerd B. Achenbach ihr Gegenüber auf ganz besondere Weise wahr und ernst: Der Gast wird nicht theoriegeleitet – d. h. schematisch – eingeordnet, also nicht als “Fall einer Regel” verstanden, auch nicht vorschnell pathologisiert, sondern als der einzige, der er ist gesehen. Kein festgelegter “Maßstab” befindet über ihn, auch nicht der einer vermeintlichen Gesundheit und Normalität oder der kirchlicher Autorität, sondern die Frage ist, ob er sich selbst angemessen lebt – mit Nietzsches berühmt gewordenem Wort: ob er wurde, der er ist.
Soweit es im konkreten Fall sinnvoll oder notwendig erscheint, psychotherapeutische, ärztliche oder juristische Fachkompetenz einzubeziehen, verfügen wir selbstverständlich über umfangreiche kollegiale Kooperationsverbindungen.